Alle Bundeskanzler bis heute

Die Chronik der deutschen Regierungschefs von 1949 bis 2026

Die Geschichte des Kanzleramts

Seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 standen zehn Persönlichkeiten an der Spitze der Regierung. Diese Übersicht zeigt alle Amtsinhaber chronologisch geordnet bis zum aktuellen Kanzler.

Friedrich Merz - Aktueller Bundeskanzler Im Amt

Friedrich Merz (CDU)

Seit 06. Mai 2025

Nach der Bundestagswahl übernahm Friedrich Merz als zehnter Kanzler der Bundesrepublik die Regierungsgeschäfte.

Olaf Scholz

Olaf Scholz (SPD)

2021 – 2025

Führte die erste "Ampel-Koalition" auf Bundesebene. Seine Amtszeit war geprägt durch die "Zeitenwende" und wirtschaftliche Herausforderungen.

Kontroverse: Cum-Ex-Skandal & Warburg Bank

Olaf Scholz sieht sich seit seiner Zeit als Erster Bürgermeister von Hamburg mit Vorwürfen konfrontiert.

  • Der Vorwurf: Es geht um Treffen mit Bankiers der Warburg Bank, die in massive Steuerhinterziehungen (Cum-Ex) verwickelt waren. Im Raum steht die Frage, ob Scholz Einfluss auf den Verzicht von Steuerrückforderungen nahm.
  • Die Aussage: Scholz berief sich vor Untersuchungsausschüssen mehrfach auf „Erinnerungslücken“ bezüglich der genauen Inhalte dieser Gespräche.
  • Einordnung: Viele Beobachter und Oppositionspolitiker halten diese Erinnerungslücken für unglaubwürdig. Juristisch konnte ihm eine Falschaussage vor dem Ausschuss jedoch bislang nicht nachgewiesen werden.
Angela Merkel

Angela Merkel (CDU)

2005 – 2021

Die erste Frau im Amt und die erste Ostdeutsche. Regierte 16 Jahre lang und prägte eine Ära des Krisenmanagements (Finanzkrise, Eurokrise, Pandemie).

Kontroverse: Die Pkw-Maut & das Wahlversprechen (2013)

Dieses Thema gilt als klassisches Beispiel für ein gebrochenes Wahlversprechen, das für massive Kritik sorgte.

  • Die Aussage: Im TV-Duell 2013 antwortete Angela Merkel auf die Frage nach einer Maut unmissverständlich: „Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben.“
  • Die Realität: In den darauf folgenden Koalitionsverhandlungen mit der CSU stimmte sie der Einführung der Maut („Infrastrukturabgabe“) zu, um das Bündnis zu sichern. Das Gesetz wurde später vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) gestoppt.
  • Einordnung: Technisch handelte es sich um einen politischen Kompromiss aufgrund von Koalitionszwängen. Da ihre Aussage vor der Wahl jedoch absolut formuliert war, wurde das Vorgehen in der politischen Kultur vielfach als Täuschung der Wähler gewertet.
Gerhard Schröder

Gerhard Schröder (SPD)

1998 – 2005

Führte Rot-Grün an. Bekannt für das "Nein" zum Irakkrieg und die Agenda 2010.

Kontroverse: Die Mehrwertsteuer-Lüge (2005)

Dieser Vorgang gilt in der politischen Geschichte als eines der drastischsten Beispiele für Abweichungen zwischen Wahlkampf und Regierungsbildung.

  • Die Aussage: Im Wahlkampf 2005 führte die SPD unter Schröder eine massive Kampagne gegen die von der Union geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer um 2 Prozentpunkte („Merkelsteuer“) und schloss eine eigene Erhöhung kategorisch aus.
  • Die Realität: In den Koalitionsverhandlungen der darauffolgenden Großen Koalition einigte man sich auf eine Erhöhung um 3 Prozentpunkte (von 16 % auf 19 %) – also sogar mehr, als die CDU ursprünglich gefordert hatte.
  • Einordnung: Politisch wurde dies als notwendiger Kompromiss zur Haushaltskonsolidierung begründet. In der Öffentlichkeit wurde dieser Kurswechsel jedoch vielfach als klassischer Wahlbetrug wahrgenommen, da das zentrale Wahlversprechen ins Gegenteil verkehrt wurde.
Helmut Kohl

Helmut Kohl (CDU)

1982 – 1998

Der "Kanzler der Einheit". Mit 16 Jahren Amtszeit der am längsten amtierende Kanzler neben Merkel. Seine späten Jahre wurden jedoch von einer schweren Parteikrise überschattet.

Kontroverse: Die CDU-Spendenaffäre & das „Ehrenwort“ (1999)

Nach seiner Amtszeit geriet Kohl massiv unter Druck, da bekannt wurde, dass während seiner Kanzlerschaft illegale Kontensysteme existierten.

  • Die Aussage: Jahrelang wurde behauptet, die Parteifinanzen der CDU seien ordnungsgemäß. Kohl selbst inszenierte sich stets als Garant für Stabilität und Recht.
  • Die Realität: Ende 1999 räumte Kohl ein, zwischen 1993 und 1998 Spenden in Höhe von rund 2 Millionen DM in bar entgegengenommen und an der offiziellen Parteikasse vorbei geführt zu haben. Dies war ein klarer Verstoß gegen das Parteiengesetz.
  • Einordnung: Kohl weigerte sich bis zu seinem Tod, die Namen der Spender zu nennen, da er ihnen sein „Ehrenwort“ gegeben habe. Dass er sein privates Wort über die verfassungsrechtliche Transparenzpflicht stellte, wird historisch als schwerer Rechtsbruch gewertet und führte zur Aberkennung seines Ehrenvorsitzes.
Helmut Schmidt

Helmut Schmidt (SPD)

1974 – 1982

Krisenmanager während der Ölkrise und des RAF-Terrors (Deutscher Herbst).

Willy Brandt

Willy Brandt (SPD)

1969 – 1974

Erhielt den Friedensnobelpreis für seine Ostpolitik ("Wandel durch Annäherung"). Trat wegen der Guillaume-Affäre zurück.

Kurt Georg Kiesinger

Kurt Georg Kiesinger (CDU)

1966 – 1969

Führte die erste Große Koalition. Seine NS-Vergangenheit führte zu Protesten ("Ohrfeige").

Ludwig Erhard

Ludwig Erhard (CDU)

1963 – 1966

Der "Vater des Wirtschaftswunders" und der Sozialen Marktwirtschaft.

Konrad Adenauer

Konrad Adenauer (CDU)

1949 – 1963

Der erste Kanzler. Band die Bundesrepublik an den Westen und trieb die europäische Einigung voran. Seine letzte Amtszeit endete jedoch in einer schweren Regierungskrise.

Kontroverse: Die „Spiegel-Affäre“ (1962)

Dieser Vorgang gilt als einer der größten politischen Skandale der frühen Bundesrepublik und als direkter Angriff auf die Pressefreiheit.

  • Die Aussage: Nachdem die Polizei die Redaktionsräume des Magazins „Der Spiegel“ besetzt und Redakteure verhaftet hatte, verteidigte Adenauer das Vorgehen im Bundestag aggressiv. Er sprach öffentlich von einem „Abgrund von Landesverrat“ und deckte Verteidigungsminister Franz Josef Strauß, der zunächst abstritt, die Verhaftung des Autors Conrad Ahlers in Spanien persönlich veranlasst zu haben.
  • Die Realität: Es stellte sich heraus, dass Strauß das Parlament belogen hatte – er hatte persönlich beim Militärattaché in Madrid angerufen. Adenauer deckte diese Lüge zunächst, obwohl er über die Hintergründe informiert war. Das Verfahren wegen Landesverrats wurde später vom Bundesgerichtshof mangels Beweisen eingestellt.
  • Einordnung: Die Affäre löste eine Regierungskrise aus (Rücktritt der FDP-Minister), die Strauß schließlich zum Rücktritt zwang. Historisch markiert sie den Wendepunkt, an dem die westdeutsche Öffentlichkeit begann, staatliche Autorität kritischer zu hinterfragen („Demokratisierung der Demokratie“).